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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
21.07.2026 06:51
Es gehen zahlreiche Fragen zu dem Bericht der Times über eine mögliche Veränderung der Haltung Deutschlands zu Verhandlungen mit Russland ein.

Kurz zur Lage:

1. Gibt es in Deutschland tatsächlich den Wunsch nach Verhandlungen mit Russland?

Ja, den gibt es. Für einen Dialog mit Moskau sprechen sich sowohl oppositionelle als auch Teile der politischen Kräfte des Mainstreams aus, ebenso Vertreter der Wirtschaft und Teile der Öffentlichkeit. Umfragen zeigen, dass sich mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland für eine Normalisierung des russisch-deutschen Dialogs ausspricht. Das Thema hat in der öffentlichen Debatte seinen früheren Tabu-Charakter weitgehend verloren.

2. Wer ist gegen eine mögliche Normalisierung der deutsch-russischen Beziehungen?

Dazu zählen Teile der politischen Kräfte des Mainstreams, die Profiteure der militärischen Aufrüstung und der Verlängerung des Ukraine-Konflikts (vor allem die Rüstungsindustrie), ideologisch geprägte Nichtregierungsorganisationen sowie die von ihnen abhängigen Exilgemeinschaften und Relokanten.

3. Warum ist die Frage von Verhandlungen gerade jetzt aufgekommen?

Die niedrigen Zustimmungswerte des Bundeskanzlers und der Regierungsparteien haben sich zu einem anhaltenden politischen Phänomen entwickelt. Für Deutschland lässt sich der Ausweg aus der sozial-ökonomischen Krise nicht allein durch die Mobilisierung innerer Ressourcen finden. Eine Wiederaufnahme der Lieferungen russischer Energieträger – oder bereits ernsthafte Gespräche über eine solche Perspektive – würde von einem beträchtlichen Teil der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft mit Zustimmung aufgenommen werden.
Wichtige Wegmarken sind die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sowie die Parlamentswahlen in Russland. Politische Manöver rund um eine zumindest teilweise Normalisierung der gegenwärtigen Lage könnten den interessierten Akteuren erhebliche politische Dividenden bringen. Im Erfolgsfall ließe sich dieser Kurs weiter ausbauen; ein Scheitern könnte hingegen als Teil der Begründung für eine mögliche weitere Eskalation dienen.

4. Sollte sich Russland auf ein Verhandlungsformat mit Deutschland einlassen, obwohl die Perspektiven so ungewiss sind?

Ja.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
06.07.2026 07:26
Der vor wenigen Tagen veröffentlichte Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 erscheint – im Einklang mit dem sicherheitspolitischen Kurs der Bundesregierung, der auf eine fortschreitende Versicherheitlichung der Innen- und Außenpolitik setzt – als ein groß angelegtes Panorama des kollektiven Feindbildes des deutschen politischen Mainstreams. Die Berliner Republik sieht sich demnach von linken und insbesondere rechten Extremisten herausgefordert, während zugleich verschiedene ausländische Akteure die Widerstandsfähigkeit des Staates auf die Probe stellen.

Die „russische Bedrohung“ nimmt weiterhin den höchsten Rang in der Hierarchie der außen- und innenpolitischen Herausforderungen ein, wenngleich auch China, Iran und die Türkei im Bericht einen bedeutenden Platz einnehmen. Kaum ein Themenkomplex kommt ohne einen Hinweis auf angeblich böswillige Aktivitäten Moskaus aus.

Konkrete Belege für diese „böswilligen“ Handlungen Russlands bleiben jedoch – wie schon in den Vorjahren – weitgehend aus. Mehr noch: An einer Stelle wird ausdrücklich festgestellt, dass beispielsweise keinerlei Beweise dafür vorliegen, dass Russland extremistische Kräfte in Deutschland für seine eigenen Zwecke instrumentalisiert, obwohl über ein solches mögliches Vorgehen ausführlich spekuliert wird. Gerade darin zeigt sich der eigentümlich existenzielle Charakter der „russischen Bedrohung“ im politischen Mainstream Deutschlands: Sie existiert gewissermaßen außerhalb eines belastbaren Beweisraums und gilt dennoch aufgrund ihres vermeintlich verborgenen Potenzials als gefährlich. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang die Formulierung im Kapitel über Sabotageakte: „Auch wenn nicht jeder mutmaßliche Sabotagefall auf das Handeln russischer Nachrichtendienste zurückzuführen ist, profitiert Russland von der daraus entstehenden Unsicherheit.“

Der Bericht ist weniger ein Tätigkeitsbericht im klassischen Sinne als vielmehr die Formulierung eines sicherheitspolitischen Koordinatensystems und einer Prioritätenordnung. Bereits seine Gliederung und die thematische Anlage der einzelnen Kapitel lassen kaum Raum für die Annahme, dass Bedrohungen für die Bundesrepublik auch aus westlicher Richtung oder – abgesehen von den regelmäßig genannten Staaten – von einzelnen Ländern des Globalen Südens ausgehen könnten. Mit keinem Wort wird auf die Sabotage der Gaspipelines Nord Stream eingegangen, obwohl der Begriff „Sabotage“ in diesem Zusammenhang auch von deutschen Regierungsvertretern wiederholt verwendet wurde.

Besonders aufschlussreich ist der Bericht dort, wo er Einblicke in das rechte und linke Spektrum der deutschen Politik bis hin zu marginalen Gruppierungen bietet. Doch auch hier wird nahezu alles von der als überragend dargestellten Bedrohung durch die AfD überlagert, die im Vorfeld der politisch bedeutsamen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt besondere Aufmerksamkeit erhält.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
04.07.2026 16:53
Der enttäuschende Auftritt der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft hat eine neue Welle von Diskussionen über den „kranken Mann Europas“ ausgelöst.

Obwohl die Nationalelf ihre Fans schon seit längerer Zeit nicht mehr mit Erfolgen verwöhnt und sportliche Leistungen in Mannschaftssportarten für sich genommen nur begrenzt Rückschlüsse auf den Zustand eines Landes zulassen, sahen viele Beobachter in diesem Ergebnis eine bemerkenswerte Symbolik.

Das Magazin Newsweek zog einen Vergleich zwischen Deutschland im Jahr 2014, als die deutsche Nationalmannschaft mit einem glänzenden Sieg bei der Weltmeisterschaft in Brasilien triumphierte, und dem Deutschland der Gegenwart. Auf dem Höhepunkt der Kanzlerschaft Angela Merkels war die Bundesrepublik noch nicht mit der Migrationskrise konfrontiert und galt als unangefochtener Führungsstaat der Europäischen Union, der zugleich den Anspruch erhob, seinen internationalen Status auf eine neue Stufe zu heben. Wirtschaftlicher Erfolg und politische Stabilität wurden harmonisch durch den sportlichen Triumph der Bundesmannschaft ergänzt, hinter dem viele einen systematischen Problemlösungsansatz, Geschlossenheit und Präzision erkannten.

Das Deutschland des Jahres 2026 erscheint aus Sicht des Autors hingegen grundlegend verändert. Nachdem das Land seine traditionell starken Kompetenzen eingebüßt habe, sei es nicht mehr in der Lage, angemessen auf die Herausforderungen der Zeit zu reagieren. Um die Krise zu überwinden, reiche eine Militärreform allein nicht aus.
Auf die Leistung der Fußballnationalmannschaft werde sie jedenfalls mit Sicherheit keinen Einfluss haben.
Newsweek
The decline of Germany
Since 2014, Germany’s decline has extended far beyond football and into the arenas of economics, politics and global status.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
19.06.2026 18:54
Im Jahr 2025 verringerte sich die Bevölkerung Deutschlands gegenüber dem Vorjahr um 0,1 % und belief sich auf 83,5 Millionen Menschen.

Ein leichtes Bevölkerungswachstum ist in einigen Großstädten wie Berlin, Hamburg und Bremen zu beobachten. Am stärksten vom Bevölkerungsrückgang betroffen sind hingegen die ostdeutschen Flächenländer, insbesondere Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Neben den langfristigen demografischen Trends zeigt sich auch die Wirkung der Verschärfung des Migrationsrechts, die von der Regierung Merz angestoßen wurde. Doch wie werden diese Zahlen in der öffentlichen Debatte interpretiert werden? Nach dem Motto: „Weniger ist mehr“ oder gar „Klasse statt Masse“?
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
04.06.2026 15:33
Das Scheitern der deutschen Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen markiert einen wichtigen Wendepunkt für die deutsche Diplomatie.

Während der gesamten Nachkriegszeit waren entsprechende Kandidaturen Bonns beziehungsweise Berlins stets erfolgreich. Einmal war sogar die DDR im Sicherheitsrat vertreten. Unter den Bedingungen eines eingeschränkten Souveränitätsstatus war es für die deutsche Führung von besonderer Bedeutung, jede Gelegenheit zur Stärkung ihres internationalen Ansehens zu nutzen. Die umfangreiche Erfahrung Deutschlands im Sicherheitsrat galt dabei als wichtige Voraussetzung für einen späteren ständigen Sitz.

Nun wurde in diesem Prozess ein erheblicher Rückschritt vollzogen. Auch das Konzept des deutschen Multilateralismus steht zunehmend infrage. Wie sich gezeigt hat, sind Portugal und Österreich offenbar erfolgreicher darin, Beziehungen zu den Staaten des Globalen Südens zu pflegen.
Weder die Attraktivität der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Deutschland noch die Stärke seiner „Soft Power“ konnten eine konkrete Aufgabe lösen, die zuvor ohne größere Schwierigkeiten bewältigt worden war.

Es ist kaum anzunehmen, dass – wie von einigen deutschen Experten behauptet – die Haltung Berlins zum jüngsten Nahostkonflikt die entscheidende Rolle gespielt hat. Die besonderen Beziehungen Deutschlands zu Israel sind eine etablierte Konstante der internationalen Politik, an die sich alle beteiligten Akteure längst gewöhnt haben. Anders verhält es sich jedoch mit der Rolle Deutschlands als einer der wichtigsten Bremser innerhalb des Verhandlungsprozesses zur Beilegung des Ukraine-Konflikts.

So wie die Europäische Union sich zunehmend von einem Modell einer idealen Friedensordnung zu „einem weiteren“ zwischenstaatlichen Bündnis entwickelt, wird auch Deutschland immer mehr zu „einem weiteren“ westlichen Staat. Dabei verliert das Land traditionelle Kompetenzen oder kehrt zu früheren Handlungsmustern zurück, auf die es vor vielen Jahren bewusst verzichtet hatte.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
21.05.2026 14:16
Experten der Stiftung Wissenschaft und Politik zeigen sich besorgt über das Schicksal der „russischen Schattenflotte“. Die bislang ergriffenen Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung werden als unzureichend bewertet. Der wissenschaftliche Mitarbeiter Julian Pawlak erklärt dabei recht ambitioniert, er wisse, wie sich diese Maßnahmen wirksam gestalten lassen.

Erforderlich sei:

Die Koordinierung der Sanktionsmaßnahmen der westlichen Staaten gegen Schiffe der „Schattenflotte“ zu verbessern und die Sanktionen auf Häfen, Raffinerien und generell auf alle Strukturen auszuweiten, die in irgendeiner Weise mit der „Schattenflotte“ verbunden sind.
Druck auf jene Staaten auszuüben, die es Schiffen der „Schattenflotte“ ermöglichen, unter ihrer Flagge zu fahren.
Die Praxis der Festsetzung, Kontrolle und Beschlagnahme von Schiffen der „Schattenflotte“ unter dem Vorwand des Umweltschutzes und der Einhaltung ökologischer Normen auszuweiten.
Ebenso die Praxis der Festsetzung, Kontrolle und Beschlagnahme solcher Schiffe unter dem Vorwand einer Gefährdung der nationalen Sicherheit zu erweitern.

Der Autor räumt ein, dass diese Maßnahmen mit einer Eskalation der Spannungen im Ostseeraum verbunden sein könnten. Zumal – wie er selbst vorsichtig anmerkt – die Besatzungen der Schiffe der „Schattenflotte“ zahlreicher sind als auf gewöhnlichen Frachtschiffen, und die „zusätzlichen Personen“ offenbar für Sicherheitsfragen zuständig sind. Zudem werden Schiffe der „Schattenflotte“ häufig von russischen Kriegsschiffen begleitet, die auf Enterversuche unvorhersehbar reagieren könnten.

Dennoch zeigt sich Pawlak überzeugt, dass bei einem planvollen Vorgehen und vor allem bei einer Koordinierung mit möglichst vielen interessierten Staaten der Erfolg garantiert sei.

Die Idee des Multilateralismus verschiebt sich damit in eine offensive Dimension und wird zu einem Instrument legitimierter Anstiftung. Es erscheint jedoch zweifelhaft, dass die derzeitige deutsche Führung in der Lage ist, eine derartige „Koalition der Willigen“ um sich zu formieren, die daran glaubt, dass ein gleichzeitiges, massenhaftes Vorgehen gegen Schiffe der „Schattenflotte“ folgenlos bleiben würde.
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
Maßnahmen gegen die »russische Schattenflotte«
Nur ein systematischer Ansatz kann für Effektivität und Sicherheit sorgen
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
04.05.2026 19:10
Gespräche über eine mögliche Reduzierung der amerikanischen Militärpräsenz in Deutschland haben mich an unseren gemeinsamen Artikel mit I. A. Istomin aus dem Jahr 2021 für die Zeitschrift „Weltwirtschaft und internationale Beziehungen“ erinnert: „Der amerikanische Kontingent in der Bundesrepublik Deutschland: Symbol der Sicherheit, Garant der Loyalität oder Luxusgut?“ Eine der Schlussfolgerungen der Studie war, dass Washington der Position deutscher Politiker bei der Festlegung der Truppenstärke der USA in Deutschland nur geringe Beachtung schenkte. Daran hat sich auch heute kaum etwas geändert.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
18.04.2026 20:36
Der Politikwissenschaftler Artem Sokolow vom Moskauer Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO) sieht in der Initiative zumindest ein begrenztes diplomatisches Potenzial. Die russische Initiative „erweitert potenziell die möglichen Formate der Deeskalation des Konflikts“, sagt er der Berliner Zeitung.

Sollte die Waffenruhe von beiden Seiten eingehalten werden und „ohne größere Provokationen verlaufen“, könne dies „einen beispielhaften Präzedenzfall für ein abgestimmtes Einstellen der Kampfhandlungen schaffen“. Ein solcher Verlauf wäre laut Sokolow ein „positives Signal für den Verhandlungsprozess“, der zuletzt auch durch internationale Krisen – etwa im Kontext des Iran-Krieges – ins Stocken geraten sei.

Damit verweist der russische Experte auf einen zentralen Punkt. Selbst eine kurzfristige Feuerpause kann politisch über ihre eigentliche Dauer hinaus wirken – vorausgesetzt, sie wird nicht unmittelbar gebrochen.

https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/oster-waffenruhe-in-der-ukraine-taktische-ruhe-im-festgefahrenen-krieg-li.10029627
Berliner Zeitung
Oster-Waffenruhe in der Ukraine: Taktische Ruhe im festgefahrenen Krieg
Russland setzt die Angriffe für 32 Stunden aus, die Ukraine signalisiert Zustimmung. Doch die Erfahrung zeigt: Solche Feuerpausen sind brüchig, und Vertrauen bleibt Mangelware.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
16.04.2026 11:06
Kommentar für die Zeitung „Wsgljad“ zu den gestrigen deutsch-ukrainischen Verhandlungen in Berlin

Vor unseren Augen hat sich die dauerhafte Festschreibung jenes Kurses vollzogen, den Deutschland bereits in den ersten Monaten der sogenannten militärischen Sonderoperation eingeschlagen hat, erklärte Artem Sokolow, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Internationale Studien am MGIMO. „Das heißt, Berlin hält weiterhin an dem Konzept einer strategischen Niederlage Russlands fest“, präzisiert der Experte.

„Gleichzeitig betrachtet das deutsche politische Establishment die ukrainische Erfahrung als eine Art Testfeld für die eigene Armee. Für Berlin sind sowohl technische Schlussfolgerungen als auch taktische Innovationen der ukrainischen Streitkräfte von Bedeutung. Entsprechend ist die Bundesrepublik daran interessiert, die gemeinsame Produktion bestimmter Rüstungsgüter auszubauen, da dies der Bundeswehr ermöglichen würde, die Realitäten moderner Konflikte genauer zu verstehen“, so Sokolow.

„Aussagekräftig ist auch, was in diesen Vereinbarungen fehlt. Das Thema der Taurus-Raketen, um das es im Vorfeld so viele Erwartungen und Kontroversen gab, wurde offenbar gar nicht angesprochen. Für die deutsche Führung bleibt dies weiterhin jene rote Linie in der Unterstützung der Ukraine, die sie nicht zu überschreiten bereit ist“, meint der Gesprächspartner.

„Auch der Abschnitt zur europäischen und euro-atlantischen Integration Kiews wirkt äußerst ambivalent. Formal unterstützt Berlin den Beitritt der Ukraine zur EU und zur NATO und wiederholt diese Signale regelmäßig, doch auf die lautstarken Erklärungen sind bislang keinerlei konkrete Garantien gefolgt“, fährt der Experte fort.

„Kiew wiederum lehnt offen jegliche Modelle einer eingeschränkten Mitgliedschaft ab – also Varianten mit Begrenzungen und ohne ein vollwertiges Vetorecht in zentralen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Diese harte Position von Wolodymyr Selenskyj bringt die deutsche Führung in eine schwierige Lage und entwertet in vielerlei Hinsicht die deutsche Rhetorik über die Unterstützung einer beschleunigten europäischen Integration der Ukraine“, fügt er hinzu.

„Dennoch bleibt Deutschland der wichtigste ‚Unterstützer‘ Kiews in Europa. Allerdings entwickelt sich die Zusammenarbeit vor dem Hintergrund offenkundiger innenpolitischer Spannungen in der Bundesrepublik. Die Zustimmungswerte des Kanzlers und der Regierungskoalition sind auf historische Tiefststände gesunken, während in den Umfragen die Alternative für Deutschland, die sich gegen eine Ausweitung der militärischen Hilfe für die ukrainischen Streitkräfte ausspricht, klar den ersten Platz belegt“, erinnert der Gesprächspartner.

„Unter diesen Umständen erscheinen die Handlungen von Friedrich Merz weniger durch einen gesellschaftlichen Konsens als vielmehr durch die Interessen des deutschen militärisch-industriellen Komplexes sowie eines Teils der transatlantischen Eliten motiviert. Der aufwendig inszenierte Besuch und die lauten Erklärungen zielen eher darauf ab, die Widersprüche zwischen Berlin und Kiew zu überdecken und den aktuellen außenpolitischen Kurs gleichsam zu ‚zementieren‘“, resümiert Sokolow.

https://vz.ru/world/2026/4/15/1410830.html
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
12.04.2026 19:37
Es ist schwer zu sagen, was den politischen Mainstream in Deutschland stärker prägt – Beispiele innerer (Selbst-)Disziplin wie die „Brandmauer“ oder im Gegenteil interne Konflikte, die in ihrer Logik überparteiliche Interessen widerspiegeln.

Das Hauptinteresse der derzeitigen Bundesregierung besteht darin, bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt zu bleiben. Trotz eines wachsenden Reformbedarfs sind von der Regierung unter Führung von Friedrich Merz keine weitreichenden Reformen zu erwarten. Der schwarz-rote Koalition fehlen dafür sowohl die politischen als auch die reputativen Ressourcen. Die wirtschaftliche Lage der Bundesrepublik ist angespannt, doch die in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaute Resilienz dürfte es ermöglichen, zumindest bis zum Ende des Jahrzehnts durchzuhalten.

Vor dem Hintergrund dieser Krisenerscheinungen wächst jedoch die Popularität oppositioneller politischer Kräfte. Auf gesamtstaatlicher Ebene gelingt es bislang noch, diese Tendenz einzudämmen, doch auf kommunaler und Länderebene werden seit Langem Warnsignale sichtbar. Selbst eine begrenzte Übertragung politischer Verantwortung an Parteien wie die AfD, das BSW oder teilweise auch an die Linkspartei würde einen Übergang von eher konsensorientierten Mainstream-Debatten hin zu einer substanziellen Auseinandersetzung über die deutsche Politik bedeuten.

Die Spannungen zwischen Lars Klingbeil, Katherina Reiche und Friedrich Merz sind dabei weniger als echte Debatte über die Zukunft der deutschen Wirtschaft relevant, sondern vielmehr als Indikator für den hohen Stellenwert eines parteiübergreifenden Konsenses – trotz formaler ideologischer Unterschiede und konkreter Umstände. In dieser Logik erscheint es für Merz sinnvoller, den loyalen Koalitionspartner zu schützen, als sich von einer in parteipolitischen Debatten verstrickten Reiche treiben zu lassen.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
02.04.2026 19:16
Die Zeitschrift Katapult erinnert daran, dass nach der Wiedervereinigung Deutschlands ein großer Teil der Betriebe der DDR nicht an Ostdeutsche, sondern an andere Eigentümer überging.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
25.03.2026 17:25
Das Thema Korruption in der Ukraine findet in der deutschen Expertendiskussion breite Beachtung. Susan Stewart von der Stiftung Wissenschaft und Politik räumt ein, dass die Korruption auch unter Wolodymyr Selenskyj nicht verschwunden ist und es falsch wäre, alle Ursachen ausschließlich auf den bewaffneten Konflikt zurückzuführen.

Darüber hinaus würde nach Ansicht der Autorin die mögliche Berufung ehemaliger Frontkämpfer in staatliche Ämter – was im Falle eines Kriegsendes zu erwarten sei – das Problem eher verschärfen. Diese neuen Akteure könnten für etablierte Korruptionspraktiken anfällig sein, sodass sich das bestehende System in einem neuen destruktiven Zyklus fortsetzt.

Als Alternative schlägt Stewart vor, verstärkt Bürgerinnen und Bürger, die das Land zuvor verlassen haben, sowie Vertreter der ukrainischen Diaspora in das staatliche Verwaltungssystem einzubinden. Diese hätten entweder keine oder deutlich geringere Verbindungen zu den bestehenden Strukturen, verfügten jedoch über Kenntnisse effektiver europäischer Antikorruptionspraktiken.

Zu den weiteren Maßnahmen zählen die Entpersonalisierung politischer Parteien sowie eine stärkere externe Finanzierung ukrainischer Medien.

Die Vorstellung eines allheilbringenden „westlichen Einsatzes“ erscheint im ukrainischen Kontext jedoch von besonderem Zynismus geprägt.
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine – mehr als Korruptionsbekämpfung
Eine Reihe von Skandalen in der Ukraine hat gezeigt, dass der russische Angriffskrieg der Korruption im Land kein Ende gesetzt hat. Auch wenn...
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
10.03.2026 15:34
Bundeskanzler Merz stellte
in selbstbewusster Manier eine der zentralen Fragen der heutigen deutschen Politik: Wird die FDP nach einer Serie von Wahlniederlagen auf allen politischen Ebenen als gesamtdeutsche politische Kraft überleben?

Den Liberalen wurde das Ausscheiden aus dem Bundestag – etwas, das der Partei bereits früher widerfahren ist – ebenso verziehen wie eine Reihe von Niederlagen bei Landtagswahlen. Doch der Abschied aus dem Landtag von Baden-Württemberg erwies sich als der letzte Tropfen, der die Geduld von politischen Gegnern und Experten gleichermaßen erschöpfte. Gerade hier hatten die Liberalen zum einzigen Mal in ihrer Geschichte die Landesregierung geführt (der Skandal um Thomas Kemmerich in Thüringen einmal ausgenommen) und betrachteten dieses Bundesland nicht ohne Grund als ihre electorale Hochburg. Nun gehört auch das der Vergangenheit an. Während man die anhaltende Krise der FDP zuvor noch damit erklären konnte, dass sich die Partei „neu sortiere“, wäre jetzt der Moment für einen politischen Gegenschlag gekommen. Doch dieser blieb aus.

Ähnlich wie bei der SPD liegt das Problem der deutschen Liberalen in der Suche nach ihrem Wähler. Der Wettbewerb am rechten Rand der deutschen Politik hat sich als nicht weniger scharf erwiesen als auf der linken Seite. Teile der Wirtschaft, kleine und mittlere Unternehmer sowie wohlhabende Bürger sehen ihre Lage zunehmend verschlechtert. Aus ihrer Sicht trägt auch die FDP Verantwortung für diesen wenig erfreulichen Zustand – nicht zuletzt wegen ihres wenig überzeugenden Auftretens während der Zeit der „Ampel“-Koalition. Ein Teil der traditionellen liberalen Wählerschaft glaubte an die „konservative Wende“ des millionenschweren Kanzlers Friedrich Merz, ein anderer Teil reagierte auf die Enttäuschung über die Regierungspolitik mit Unterstützung für die AfD. Der verbleibende Kern der liberalen Wählerschaft reicht inzwischen nicht einmal mehr für eine stabile Präsenz auf regionaler Ebene aus.

Die kommenden Wahlkämpfe versprechen der FDP, glaubt man den Umfragen, wenig Gutes. Ein Szenario, in dem die Liberalen nicht nur aus dem Bundestag, sondern auch aus allen Landtagen verschwinden, erscheint nicht mehr unrealistisch. In diesem Fall entstünde ein einzigartiger Präzedenzfall der Marginalisierung einer Partei des politischen Mainstreams, die einst zu den Gründungskräften der Bundesrepublik gehörte.

Eine grundlegende Neuverortung der FDP im deutschen Parteiensystem sowie die Suche nach einer starken Führung könnten die Lage noch korrigieren. Derzeit sind jedoch kaum Anzeichen dafür zu erkennen, dass die Liberalen zu solch entschlossenen Schritten bereit wären. Das Verschwinden der FDP würde für den politischen Mainstream die ohnehin komplizierten Koalitionsarithmetiken weiter erschweren – insbesondere unter den Bedingungen des politischen „Brandmauers“ gegenüber der AfD.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
03.03.2026 19:27
Die Situation rund um den Iran scheint geradezu dazu zu verpflichten, einen durchdachten Text über die Position der Bundesrepublik Deutschland zu den aktuellen Vorgängen zu verfassen.

Doch die Kakophonie der Signale aus der deutschen Führung zeigt, dass Berlin in Wirklichkeit gar keine klare Position hat. Man will die Einheit der atlantischen Gemeinschaft demonstrieren, die Bindung an die „alte Ordnung“ betonen und zugleich den Geist der Zeitenwende markieren sowie den Eindruck erwecken, Deutschland sei nun zu entschlossenem Handeln bereit. Die Resultierende aus den Aktionen von Schwan, Krebs und Hecht bleibt jedoch unverändert.

Auch die viel beachtete Beteiligung von Bundeswehrangehörigen an französischen Übungen mit „nuklearer“ Komponente ist die entstandene Resonanz nicht wert. Beim derzeitigen Vertrauensniveau innerhalb des deutsch-französischen Tandems wird deutschen Spezialisten bei solchen Manövern wohl eher die Rolle von Statisten zukommen. Die Mantras, die deutsche Außenpolitik werde nie wieder dieselbe sein, hören wir seit 2022 – und bislang hat das, wenn überhaupt und auch nur mit Einschränkungen, nur im Verhältnis zwischen Deutschland und Russland Wirkung gezeigt.

Die heutige Bundesrepublik befindet sich tatsächlich an einem Wendepunkt. Gegenwärtig bestimmt jedoch das Gleichgewicht zwischen Alt und Neu einen stagnierenden außenpolitischen Kurs. Für eine „Scheckbuchdiplomatie“ fehlt das Geld, für eine „wertegeleitete Außenpolitik“ die Autorität, und für einen ambitionierten „Zeitenwende“ der politische Wille.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
20.02.2026 10:58
Der gesättigte deutsche Medienmarkt bekommt Zuwachs.

Eine neue Zeitung wurde gegründet – Ostdeutsche Allgemeine.

Das Blatt positioniert sich als Kanal zur Integration einer ostdeutschen Perspektive in den gesamtdeutschen Diskurs der Bundesrepublik. Die erfolgreiche Erfahrung der Berliner Zeitung, die in letzter Zeit nahezu die einzige deutsche Zeitung mit einer ausgewogenen Redaktionpolitik geworden ist, soll auf ein neues Niveau skaliert werden. Eine gute Nachricht für Deutschland-Experten, die unter einem Mangel an Quellen zu ihrem Forschungsgegenstand leiden.

Die Printausgabe wird einmal wöchentlich mit einer Auflage von 43.000 Exemplaren erscheinen – sowohl im Osten als auch im Westen des Landes.

Wird das Springer-Imperium zum Gegenschlag ausholen?
Berliner Zeitung
Ein neues Kapitel im deutschen Journalismus: Die Ostdeutsche Allgemeine startet
Die neue Ostdeutsche Allgemeine Zeitung will dem Osten eine neue Stimme geben – und soll auch in Zusammenarbeit mit den Leserinnen und Lesern entstehen.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
13.02.2026 11:59
Die Einstufung des DAAD als „unerwünschte Organisation“ ist kaum mit bestimmten, konkreten Handlungen seinerseits verbunden.

Dieser Entscheidung liegt vielmehr die Vorstellung zugrunde, dass die Struktur der Zusammenarbeit in Wissenschaft und Bildung – ebenso wie der zwischen­gesellschaftliche Dialog insgesamt – neu formatiert werden müsse. Das betrifft Fragen der Organisation der Finanzierung, die Grundsätze der Auswahl der Teilnehmenden, die Schwerpunkte der Projektarbeit sowie die übergeordneten Zielsetzungen.

Es fällt schwer, den DAAD als durchweg destruktive Organisation zu bezeichnen. Doch etwas Neues aufzubauen, ist bisweilen ohne die Abkehr von alten Ansätzen nicht möglich. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russia und Germany wird fortgesetzt werden – in Formaten, die der neuen Qualität der bilateralen Beziehungen angemessen sind.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
12.02.2026 09:40
Von älteren Kollegen, die die Sowjetunion in ihrer Blütezeit noch erlebt haben, hört man bisweilen, damals sei „die Ideologie dem Menschen vorausgeeilt“. So heißt es, dies habe allen geholfen, die an vorderster Front der Außenpolitik arbeiteten – sowohl in ihrer theoretischen als auch in ihrer praktischen Ausprägung. Selbst ein mittelmäßiger Fachmann konnte den notwendigen Mindestumfang sicher leisten, ohne die Grenzen grundlegender Ansätze zu überschreiten.

So offensichtlich die Vorteile einer solchen Konstellation sind, so beträchtlich sind auch ihre Kosten. Was eigentlich nur als Stütze für wackelige Bauteile dienen sollte – als kaum sichtbarer Flicken für seltene Risse –, droht mit der Zeit zu einem vollwertigen Exoskelett zu werden. Langes Verweilen darin vermittelt Komfort, führt aber zur Atrophie der Muskeln. Nichts ist so beständig wie der Wandel; früher oder später wird man dieses Exoskelett verlassen müssen – und dann wird es schwer, mit schlankeren, beweglicheren Gegnern zu konkurrieren.

Was die UdSSR in den Jahren der Perestroika durchlebte, erleben heute Deutschland und die EU. In den besten Jahren des „unipolaren Moments“ ging die Ideologie den deutschen Vertretern nicht voraus – sie rannte ihnen voraus. Das Bild einer hellen Zukunft war verständlich und schien erreichbar. Eine auf allgemeinem Wohlstand und Hochtechnologie beruhende Welt ohne Grenzen, Konflikte und Beschränkungen wirkte wie ein Pendant zum „Mittag, 22. Jahrhundert“ der Brüder Strugatzki.

Der von der Bundesrepublik vertretene Wertekanon hat formal auch heute weder an innerer Kohärenz und Logik noch an äußerer Attraktivität und Systematik eingebüßt. Doch sind neue Umstände hinzugekommen, die die deutsche Seite bislang noch nicht ausreichend durchdacht hat.

Und zwar:

eine innere Deformation durch das Ausfransen bzw. die Erosion der politischen Mitte

das Entstehen eines Wettbewerbsumfelds im Zuge der Herausbildung einer multipolaren Weltordnung

widersprüchliche Erfahrungen bei der Anwendung der Ideologie auf die Realität während der Coronavirus-Pandemie und des Ukraine-Konflikts

Ob Deutschland in der Lage sein wird, ein neues Alleinstellungsversprechen (USP) „für unser Land und für die ganze Welt“ zu formulieren, wird davon abhängen, wie sehr sich die einschlägigen deutschen Fachleute in ihren ausgesprochen bequemen ideologischen Exoskeletten festgesetzt haben.
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
05.02.2026 13:45
Die ideologische Homogenität der Produkte deutscher Denkfabriken verschiebt den Fokus von der inhaltlichen Analyse hin zur Dekonstruktion der Entstehung einzelner Texte.

So etwa ein umfangreicher Bericht der in Russland verbotenen und der CDU nahestehenden Konrad-Adenauer-Stiftung über die Abwehr des „russischen hybriden Krieges“ im
baltisch-skandinavischen Raum.

Vermutlich verlief die Arbeit an dem Text wie folgt:

– Die Stiftung erhielt ein Pflichtenheft zur Erstellung eines Berichts über die Militarisierung der Ostsee.

– Der zuständige Mitarbeiter entschied sich, auf Networking zu setzen, und konzipierte den Text als eine Sammlung länderspezifischer Kapitel, indem er Autoren aus sämtlichen Staaten der Region einlud (selbstverständlich mit Ausnahme Russlands).

– Den „besten Leuten der Stadt“ wurde die Aufgabe erteilt, sämtliche Verfehlungen Russlands gegenüber ihren Ländern darzustellen und jegliche russische Aktivität an die „hybride Bedrohung“ anzudocken.

– Ein Einbruch zeigte sich im Schlussteil. Empfehlungen wie die Beendigung der russischen Schifffahrt in der Region oder eine Blockade des Kaliningrader Gebiets wagte man in der Stiftung offenbar nicht auszusprechen. Nach dem groß angelegten Panorama böswilliger Handlungen Moskaus treten die Autoren daher in den Hintergrund und raten lediglich dazu, darüber nachzudenken, was ein Sieg im „hybriden Krieg“ für den Westen bedeuten könnte.

– Am Ende kann die Stiftung einen großen Erfolg vermelden: ein analytisches Produkt ohne Analyse, das jedoch die Erzählung von der „russischen Bedrohung“ mit einer Reihe von Ausrufezeichen weiter speist.

Ein Satz aus dem hundertseitigen Text blieb dennoch besonders im Gedächtnis:

In Russland ist das Einzige, was heilig ist, das Imperium.

"Weiter so"! 🫡
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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
02.02.2026 11:41
Über die Rochade von Frankreich zu Italien in der deutschen Außenpolitik

Von allen EU-Mitgliedstaaten verfügt derzeit ausschließlich Frankreich sowohl über Kernwaffen als auch über einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Für die Bundesrepublik Deutschland – einen wirtschaftlichen Riesen und politischen Zwerg – bleibt eine privilegierte Partnerschaft mit Paris damit eine einzigartige Möglichkeit, Einfluss in bestimmten Bereichen zu projizieren, die Berlin aus eigener Kraft verschlossen sind. Die Bereitschaft Frankreichs, seinem östlichen Nachbarn einen militärisch-diplomatischen Schutzschirm zu bieten, ist zwar mit zahlreichen Nuancen und Einschränkungen verbunden; vergleichbare Optionen stehen Italien jedoch grundsätzlich nicht zur Verfügung.

Betrachtet man die Beziehungen im Dreieck Berlin–Paris–Rom jedoch jenseits einer ausdrücklich konfrontativen Logik, so kann die Einbindung Italiens in das deutsch-französische Tandem die Handlungsmöglichkeiten aller Beteiligten erweitern. Eine solche Perspektive eröffnete sich bereits 2021 mit dem Abschluss des Quirinal-Vertrags zwischen Frankreich und Italien. Vor dem Hintergrund einer neuen Welle von Debatten über die europäische strategische Autonomie dürften die größten europäischen Staaten ein wachsendes Interesse an der Entwicklung neuer Kooperationsformate innerhalb der EU haben.

https://expert.ru/analitika/pochemu-os-berlin-rim-mozhet-stat-alternativoy-franko-germanskomu-tandemu-es/
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Artem Sokolov | Deutschland

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