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Artem Sokolov | Deutschland
@artem_sokolov_deutschland
05.02.2026 13:45
Die ideologische Homogenität der Produkte deutscher Denkfabriken verschiebt den Fokus von der inhaltlichen Analyse hin zur Dekonstruktion der Entstehung einzelner Texte.

So etwa ein umfangreicher Bericht der in Russland verbotenen und der CDU nahestehenden Konrad-Adenauer-Stiftung über die Abwehr des „russischen hybriden Krieges“ im
baltisch-skandinavischen Raum.

Vermutlich verlief die Arbeit an dem Text wie folgt:

– Die Stiftung erhielt ein Pflichtenheft zur Erstellung eines Berichts über die Militarisierung der Ostsee.

– Der zuständige Mitarbeiter entschied sich, auf Networking zu setzen, und konzipierte den Text als eine Sammlung länderspezifischer Kapitel, indem er Autoren aus sämtlichen Staaten der Region einlud (selbstverständlich mit Ausnahme Russlands).

– Den „besten Leuten der Stadt“ wurde die Aufgabe erteilt, sämtliche Verfehlungen Russlands gegenüber ihren Ländern darzustellen und jegliche russische Aktivität an die „hybride Bedrohung“ anzudocken.

– Ein Einbruch zeigte sich im Schlussteil. Empfehlungen wie die Beendigung der russischen Schifffahrt in der Region oder eine Blockade des Kaliningrader Gebiets wagte man in der Stiftung offenbar nicht auszusprechen. Nach dem groß angelegten Panorama böswilliger Handlungen Moskaus treten die Autoren daher in den Hintergrund und raten lediglich dazu, darüber nachzudenken, was ein Sieg im „hybriden Krieg“ für den Westen bedeuten könnte.

– Am Ende kann die Stiftung einen großen Erfolg vermelden: ein analytisches Produkt ohne Analyse, das jedoch die Erzählung von der „russischen Bedrohung“ mit einer Reihe von Ausrufezeichen weiter speist.

Ein Satz aus dem hundertseitigen Text blieb dennoch besonders im Gedächtnis:

In Russland ist das Einzige, was heilig ist, das Imperium.

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