Das Thema Korruption in der Ukraine findet in der deutschen Expertendiskussion breite Beachtung. Susan Stewart von der Stiftung Wissenschaft und Politik räumt ein, dass die Korruption auch unter Wolodymyr Selenskyj
nicht verschwunden ist und es falsch wäre, alle Ursachen ausschließlich auf den bewaffneten Konflikt zurückzuführen.
Darüber hinaus würde nach Ansicht der Autorin die mögliche Berufung ehemaliger Frontkämpfer in staatliche Ämter – was im Falle eines Kriegsendes zu erwarten sei – das Problem eher verschärfen. Diese neuen Akteure könnten für etablierte Korruptionspraktiken anfällig sein, sodass sich das bestehende System in einem neuen destruktiven Zyklus fortsetzt.
Als Alternative schlägt Stewart vor, verstärkt Bürgerinnen und Bürger, die das Land zuvor verlassen haben, sowie Vertreter der ukrainischen Diaspora in das staatliche Verwaltungssystem einzubinden. Diese hätten entweder keine oder deutlich geringere Verbindungen zu den bestehenden Strukturen, verfügten jedoch über Kenntnisse effektiver europäischer Antikorruptionspraktiken.
Zu den weiteren Maßnahmen zählen die Entpersonalisierung politischer Parteien sowie eine stärkere externe Finanzierung ukrainischer Medien.
Die Vorstellung eines allheilbringenden „westlichen Einsatzes“ erscheint im ukrainischen Kontext jedoch von besonderem Zynismus geprägt.
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