Das Scheitern der deutschen Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen markiert einen wichtigen Wendepunkt für die deutsche Diplomatie.
Während der gesamten Nachkriegszeit waren entsprechende Kandidaturen Bonns beziehungsweise Berlins stets erfolgreich. Einmal war sogar die DDR im Sicherheitsrat vertreten. Unter den Bedingungen eines eingeschränkten Souveränitätsstatus war es für die deutsche Führung von besonderer Bedeutung, jede Gelegenheit zur Stärkung ihres internationalen Ansehens zu nutzen. Die umfangreiche Erfahrung Deutschlands im Sicherheitsrat galt dabei als wichtige Voraussetzung für einen späteren ständigen Sitz.
Nun wurde in diesem Prozess ein erheblicher Rückschritt vollzogen. Auch das Konzept des deutschen Multilateralismus steht zunehmend infrage. Wie sich gezeigt hat, sind Portugal und Österreich offenbar erfolgreicher darin, Beziehungen zu den Staaten des Globalen Südens zu pflegen.
Weder die Attraktivität der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Deutschland noch die Stärke seiner „Soft Power“ konnten eine konkrete Aufgabe lösen, die zuvor ohne größere Schwierigkeiten bewältigt worden war.
Es ist kaum anzunehmen, dass – wie von einigen deutschen Experten behauptet – die Haltung Berlins zum jüngsten Nahostkonflikt die entscheidende Rolle gespielt hat. Die besonderen Beziehungen Deutschlands zu Israel sind eine etablierte Konstante der internationalen Politik, an die sich alle beteiligten Akteure längst gewöhnt haben. Anders verhält es sich jedoch mit der Rolle Deutschlands als einer der wichtigsten Bremser innerhalb des Verhandlungsprozesses zur Beilegung des Ukraine-Konflikts.
So wie die Europäische Union sich zunehmend von einem Modell einer idealen Friedensordnung zu „einem weiteren“ zwischenstaatlichen Bündnis entwickelt, wird auch Deutschland immer mehr zu „einem weiteren“ westlichen Staat. Dabei verliert das Land traditionelle Kompetenzen oder kehrt zu früheren Handlungsmustern zurück, auf die es vor vielen Jahren bewusst verzichtet hatte.
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